Der systemische Ansatz


Im systemischen Ansatz wird von der Vorstellung ausgegangen, dass jeder Mensch Teil von Systemen ist. Solche Systeme sind beispielsweise die Familie, ein Team, eine Gruppe oder eine Institution. Die Menschen innerhalb dieser Systeme stehen miteinander in Beziehung und beeinflussen sich in ihrem Handeln und Verhalten gegenseitig.
 
Ihr Verhalten ist vornehmlich aus den Beziehungen zu anderen Menschen zu erklären. Man stelle sich als Beispiel ein Fußballspiel mit Schiedsrichter vor: Wenn alle Mannschaftspieler Tarnkappen aufhätten und nur der Schiedsrichter sichtbar wäre: Man könnte die Verhaltensweisen des Schiedsrichters in keiner Weise verstehen: Warum er wohin rennt, mal schnell, mal langsam, warum er gelbe und rote Karten zückt und plötzlich pfeift...

Die Dynamik eines Systems lässt sich mit den Bewegungen eines Mobiles vergleichen. Kommt es an einer Stelle zu einer Veränderung, verändern sich auch die anderen Teile des Mobiles, vielleicht nur schwach an der einen Stelle, umso stärker an einer anderen.

Probleme entstehen dann, wenn das Mobile oder das System ins Ungleichgewicht gerät oder an einer Stelle erstarrt: Bewegung und Entwicklung werden blockiert. Möglicherweise kommt es auch zu „Ausweichbewegungen“ einzelner Teile, die als eigentlich subjektiv sinnvoller Ausdruck eines Problemlösungsversuches Schwierigkeiten an anderer Stelle hervorrufen können.

In diesem Fall ist es wichtiger, das ganze System auszuloten und ins Gleichgewicht zu bringen, als zu versuchen, es nur partiell zu reparieren bzw. Schwierigkeiten eines einzelnen Teils zu „behandeln“.

In Abgrenzung zu eher symptom- und damit weniger ressourcenorientierten psychologischen Ansätzen widmet die systemische Sichtweise den komplexen, vielseitigen und sich zum Teil gegenseitig verstärkenden Wechselwirkungen innerhalb des gesamten Bezugssystems die größte Aufmerksamkeit.

Das bedeutet für die angestrebten Problemlösungen, dass nicht nur die Ich-Stärkung einer Person gefördert, sondern dass die Familie oder ihr soziales Umfeld – physisch oder virtuell – zur Lösungsfindung miteinbezogen wird.

Im therapeutischen Prozess reflektieren die Beteiligten Beziehungsmuster und unterschiedliche Sichtweisen. Auf diesem Weg können Veränderungen in Gang gesetzt und unterstützt werden.

Vorhandene Fähigkeiten und Stärken von Einzelnen und von Systemen werden für die Zusammenarbeit genutzt, wobei davon ausgegangen wird, dass jede Person eine subjektiv gültige und richtige Wahrnehmung hat.

Es gibt demnach kein "richtig" oder "falsch". Die Beratung und Therapie wird weniger als Ort gesehen, Menschen zu sagen was "besser" ist, um sie dadurch zu verändern, vielmehr bietet sie einen Raum, in dem Veränderung auftreten kann.

Dabei bedient sie sich verschiedenster Fragetechniken sowie kreativer Methoden mit dem Ziel, neue Sichtweisen und somit Handlungsmöglichkeiten zu eröffnen.